Studienarbeit aus dem Jahr 2000 im Fachbereich Ethnologie / Volkskunde Note: 1 Universität Regensburg (Philosophische Fakultät) Veranstaltung: Seminar: Recht vom Mittelalter zur Neuzeit Sprache: Deutsch Abstract: Einst stand im Regensburger Rathaus zu lesen:Ein jeder Rathsherr der da gahtVon seines Ampts wegen in den RathSoll seyn ohn alle böse AffectDardurch sein Hertz nit wird bewegtAls Freundschafft Zorn und HeuchlereyNeyd Gunst Gewalt und TyranneyUns seyn durchaus ein gleiche PersonDem armen und dem reichen MannDurch Sorgen für die gantze GemeynDerselben Nutz betrachten rein.Dann wie er richten wird auff ErdenSo wird ihn Gott auch richten werdenAm Jüngsten Tag nach seinem RathDen ewig er beschlossen hat.(zitiert nach GASSNER 1996: 66)Menschen hatten seit jeher einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die Vorstellungen aber wie Recht und Gerechtigkeit letztendlich auszusehen haben unterliegen den subjektiven Anschauungen und Empfindungen der Menschen einer bestimmten Zeitepoche. Die Werte Recht und Gerechtigkeit mögen nichts an ihrer Anziehungskraft als Ideale für die Menschheit verloren haben ihre inhaltliche Bedeutung jedoch ist im Laufe der Zeit einem stetigen Wandel unterworfen. So werden wir heute wenn wir von alten Rechtsbräuchen und Rechtsvorstellungen lesen so manches mal ganz ungläubig den Kopf schütteln.Die Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen der Menschen des Mittelalters sind uns bis heute nicht nur in den Rechtsbüchern wie Sachsenspiegel und Schwabenspiegel erhalten geblieben sondern auch noch in zahlreichen Sprichwörtern und Sagen mündlich überliefert.Den Ausdruck Alles was recht und billig ist kennen wir noch heute. Er bedeutet so viel wie Alles was dem geschriebenen Gesetz und dem ′Gefühl für Gerechtigkeit′ entspricht (Vgl. BROCKHAUS WAHRIG 1983: 309). Was aber entsprach diesem Gefühl für Gerechtigkeit im Mittelalter? Was bedeutet überhaupt Recht und wie hat es si