Lizentiatsarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Germanistik - Linguistik Note: sehr gut Universität Zürich Sprache: Deutsch Abstract: Das Alltagsverständnis vom Verhältnis zwischen Gewalt und Sprache ist geprägt von zwei Intuitionen die nur schwer miteinander vereinbar scheinen. Einerseits gelten Sprache und Gewalt als Gegensatz. Sie verhalten sich zueinander wie Zivilisation und Barbarei oder Kultur und Kulturverlust. Sigmund Freud beispielsweise wird das Bonmot zugeschrieben dass „derjenige der zum ersten Mal anstelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte [...] der Begründer der Zivilisation war (vgl. Schächtele 2009 233). Sprache gilt gemeinhin als etwas das der Gewalt entgegengesetzt ist als ein Medium den Streit dank des „eigentümlich zwanglosen Zwangs des besseren Arguments (Habermas 1984 137) in Konsens zu verwandeln - ohne dass die Faust zum Einsatz kommen müsste. Andererseits finden wir uns im Alltag oft genug in Situationen wieder in denen wir durch Sprache tatsächlich verletzt werden sodass wir annehmen müssen dass durchaus ein Zusammenhang zwischen Sprache und Gewalt besteht. Das Sprechen kann in bestimmten Situationen zu einem Feldzug verkommen in dem die Zunge zum Schwert wird. Unter gewissen Umständen können mit der Sprache Gewaltakte ausgeübt werden die mit der Zerstörungskraft von physischer Gewalt vergleichbar sind. In diesem Sinn beinhaltet das Sprechen nicht nur die Möglichkeit Gewalt anzudrohen sondern ist selbst eine Form von Gewalt. Die Gewalt ist also nicht stumm und die Sprache nicht gewaltlos auch wenn sie manchmal die Dynamik der Gewalt zu unterbrechen vermag. Deswegen ist es wichtig nicht zuletzt um des gewaltfreien Potenzials der Sprache willen ihre Gewaltsamkeit zu verstehen. In der vorliegenden Arbeit soll darum die Frage im Zentrum stehen wie mit Sprache Gewalt ausgeübt werden kann. An diesem Kern setzen folgende weiteren Fragen an: Woher kommt die verletzende Kraft im Sprechen? Wie kann Sprache verletzen?